Sonntag, 3. Juli 2016

Luka Bloom 

            in Ballydehob

Ab und zu kommt er einfach mal zu uns herunter gefahren... sagt er. Nein, die Rede ist nicht von irgendeinem höherem Wesen - es ist lediglich Luka Bloom, mit bürgerlichem Namen Kevin Barry Moore. Der Nachname kommt Euch bekannt vor? - Nicht von ungefähr. Sein Bruder ist der in Irland verehrte Christy Moore. Und so gab es am Abend des 17. Juni neben einem wundervollen Potpourri Luka's Lieder auch ein wenig Nachhilfe in Sachen Bruderliebe, irischer Humor und politisches Statement, was uns alle begeisterte. "Uns alle" waren die etwa 60 bis 70 Menschen, die in das Oktagon des Kulturzentrums An Sanctoir bequem hinein passen.
Es dauert ungefähr eine Stunde, bevor das Konzert tatsächlich beginnt. Enspannte Menschen sitzen draußen auf dem weitläufigen Rasen des Grundstückes oder drinnen auf bequemer Kissenlandschaft. Andere laben sich an Fingerfood oder selbstgebackenem Kuchen, der im Eingangsbereich verkauft wird. Nach der Eintrittskarte fragt keiner. Ein Fotograf fragt Jens, wo denn der Künstler zu finden sei. Jens antwortet: "That man in the white shirt sitting next to the entrance door." Der Journalist schüttelt den Kopf und meint, Christy Moore sähe doch ganz anders aus... Jens ist für einen Moment perplex, doch dann fällt ihm ein: "Well, then listen to the voice of that man sitting there. It's not Christy, but it's his brother - very similar isn't it." Der Fotograf versteht nicht, wendet sich dem nächsten zu, um die gleichen Fragen erneut zu stellen. Irgendwann wird er wohl jemandem Glauben schenken; auf jeden Fall wird er später seine ersehnten Fotos schießen und ein kurzes Gespräch mit Luka halten... Letzterer läßt sich jetzt ebenfalls auf einer Bank in der Sonne nieder, um mit einem der Besucher einen Schnack zu halten. Und das soll der Star de Abends sein?...
Verstaubte Stühle werden aus dem Schuppen heran transportiert, um den zahlreicher werdenden Gästen Platz zu bieten, draußen machen sich die ersten Stechmücken bemerkbarer - der perfekte Moment, um das Konzert zu beginnen. Wie es sich für ein echtes Konzert gehört (und wie Luka Bloom es auch in der Hamburger "Fabrik" macht), tritt eine mit ihm befreundete Künstlerin auf - dieses Mal die Liedermacherin Alyanya aus Ballydehob. Wir haben kein Foto oder eigenen Film zu bieten, aber dieses YouTube-Video https://youtu.be/OxjxVtUEKbM bietet ein schönes Beispiel ihrer wundervollen Musik.
Nachdem Alyany ihre sechs Songs beendet hat und den verdienten Beifall erhält, beginnt das Publikum wieder zu schnattern oder aus dem Raum heraus zu laufen. Es wird gegessen und getrunken, die Dämmerung taucht den Raum in ein mildes Licht. Luka hat es sich mit der Gitarre auf einem Stuhl bequem gemacht und klimpert ein wenig vor sich hin.
Dann geht das Geklimper in einer Melodie auf. Ganz allmählich wird das Publikum ruhiger, Luka steht auf, summt die Melodie und begrüßt uns mit einem fröhlichen "Hello"! - Entschuldigt bitte die Bildqualität - aber die Musik entschädigt hoffentlich https://youtu.be/0jqy1osoLXc
Im Verlauf des gut zweistündigen Konzerts greift Luka immer wieder biografische Begleiterscheinungen seines künstlerischen Schaffens auf. Die Schilderung der Telefongespräche mit seinem berühmten Bruder, der ihn bittet, eines seiner Lieder zunächst nachspielen zu dürfen, um dieses danach (nach weiteren Telefonaten) mehr und mehr bis zur Unkenntlichkeit und sogar Umbenennung zu ändern, ruft Lachsalven hervor; der Hintergrund zu seinem Song "Fertile Rock" über den Erhalt des Nationalpark Burren als einen heiligen Ort, der nicht dem Tourismus und seinen Bequemlichkeiten zum Opfer fallen soll; oder die Geschichte hinter "Isabelle", einem imaginären Mädchen aus dem Flandern des aufkommenden 1. Weltkrieges.
Als ein kleiner Junge den Raum verlassen will, spricht ihn Luka an: "Hey Fionn - jetzt nicht weglaufen, dieses Lied ist für Dich! Vorhin hast Du mich angesprochen, dass Du die Musik von meinem Bruder magst. Und jetzt spiele ich ein Lied, von dem Du bestimmt glaubst, dass es von ihm ist - weil er es immer spielt. Dabei ist es von mir. Also, halt Deine Blase an und hör zu!"

The City of Chicago

In the city of Chicago,
As the evening shadows fall,
There are people dreaming,
Of the hills of Donegal.

Eighteen-forty seven,
Was the year it all began,
Deadly pains of hunger,
Drove the people from the land.
They journeyed not for glory,
Their motive wasn't greed,
A voyage of survival,
Across the stormy sea.

To the city of Chicago,
As the evening shadows fall,
There are people dreaming,
Of the hills of Donegal.

Some of them knew fortune,
And some of them knew fame,
More of them knew hardship,
Died upon the plane.
They spread throughout the nation,
They rode the railroad cars,
Brought their songs and music, 
To ease their lonely hearts.

Ein weiterer Song handelt in sehr humoriger Art von Luka's Versuchen auf dem Surfbrett. Dazu passend Jens' erste Versuche auf eben solchem - letzte Woche https://www.dropbox.com/s/9tm3k5bbuxou16t/DSCN7163.MOV?dl=0
Übrigens: Luka spielte ohne Bezahlung; alle Einnahmen gingen an den Two Rivers Kindergarten!

Warum wir nicht über den Brexit schreiben? - Nun, irgendwie ist das Thema noch gar nicht richtig in Irland angekommen. OBWOHL: Man hört von vielen Briten, die sich um den Erwerb eines irischen Passes bewerben, Nordirland spaltet sich auf in England-Treue und Europa-Affine, das fallende Pfund wird Briten vom Kauf der Immobilien in unserer Gegend abhalten... aber das ist Politik. Damit möchten wir Euch und uns nicht den Sonntag verderben.

Samstag, 4. Juni 2016

Rhododendron, Weißdorn und Stechginster - Das Tal der Glenlough Mountains


Dieser vergangene Mai war in Südirland ein schöner. Dennoch: Alles in der Natur ging ein wenig langsamer vor sich; der lange Winter ist an manchen Tagen noch in den Knochen zu spüren. Und wenn der Wind auflebt, stellen wir Abends noch die Heizung an. Gesegelt haben wir aber auch schon, und einen wunderschönen Fahrrad/Kunst-Ausflug auf Sherkin Island gemacht - und ehrlich gesagt fiel dieses Mal die Entscheidung schwer, was wir zum Thema des Posts machen sollten: Das Baltimore Wooden Boat Festival war von ungewöhnlich gutem Wetter und wenig Wind geprägt. Ein Post hätte allerdings wenig mehr als zahlreiche Fotos zum Inhalt gehabt, weil wir beide 10 Stunden lang einfach nur auf der Jolle unterwegs waren, um den Tag voll auszukosten. Der erste richtige Sommertag muss einfach ausgenutzt werden :-)
Ein anderes Thema wären die Abschlußaustellungen einiger unserer Freunde auf Sherkin Island gewesen. Wir hatten vor zwei Jahren in einem Post bereits festgestellt, wie groß das künstlerische Potential der Studenten des VisualArt-Studiums in Verbindung mit der Dublin School of Creative Arts ist, und auch dieses Mal waren wir fasziniert. Vielleicht bringen wir davon etwas mehr zu einer anderen Gelegenheit. Hier nur ein Foto von den Farben des Wochenendes - Grün und Blau in allen Schattierungen:
Das dritte große Thema wäre das Schull Film Festival gewesen, in das Sigi mit Begeisterung eingetaucht ist; leider parallel zum Baltimore Wooden Boat Festival, aber auch schon in den Tagen vorher werden internationale Filme gezeigt, auch einige von Regisseuren aus dem County Cork. Der Schwerpunkt des Festivals liegt auf Kurzfilmen, aber auch längere Spielfilme und Dokumentationen sowie Podiumsdiskussionen und Workshops sind wesentlicher Bestandteil.
Wir haben uns für ein anderes Thema entschieden. Und weil das, was es zeigt, jeden Tag zu besuchen und zu betrachten ist - natürlich nicht immer so prächtig wie auf den folgenden Bildern... Aber zur Nachahmung auch dem ungeübten Wanderer empfohlen.

Das Tal östlich der Glenlough Mountains beherbergt in den mittleren Lagen neben den obligatorischen Stechginster-Büschen jede Menge wilder Rhododendren und als weiße Farbtupfer zwischen Gelb und Lila einige Weißdornbäume.
Obwohl die Gegend sehr dünn besiedelt ist und oberhalb der heute bewohnten Häuser keine Anzeichen von Zivilisation zu erahnen sind, ist der Weg hinauf offensichtlich angelegt worden. Trotzdem sind wir überrascht, als nach einer Viertelstunde unvermittelt ein zusammengestürztes Cottage mit Nebengebäuden auftaucht. Die Flächen darum herum sehen aus wie kürzlich sorgfältig mit dem Rasenmäher gemäht... tatsächlich sind es aber Schafe, die das satte Gras kurz halten.
Ein idyllischer Ort, an dem wir aber nur für eine kurze Rast verweilen. Wir sind keine erfahrenen Wanderer, und ab hier erwarten uns nur noch Tierpfade und offene Landschaft mit wenigen unterscheidbaren Landmarken zur Orientierung; sollte sich das Wetter plötzlich verschlechtern, sind wir noch nicht in Gefahr. Aber unangenehm kann es schon werden, zumal wir nicht für schlechtes Wetter ausgerüstet sind. Aber der Wetterbericht hatte nur die üblichen "odd showers" vermeldet. Heißt: Erwartet wird es nicht, dass es regnen wird - aber man kann ja nie wissen. Nun - es regnete nicht.
Eine weitere kurze Pause machen wir an einer der typischen Feldgrenzen aus aufgetürmten Steinen. Nur noch ab und an sehen wir ein kümmerliches Rhododendron-Pflänzchen; hier wachsen fast nur noch Gräser und kleinblütige Pflänzchen wie diese Veilchen-Arten.
Links von uns macht sich das Rauschen eines Baches bemerkbar - wir können nicht mehr weit weg von unserem Ziel, dem Lough Derreenadorodia sein. Denn von diesem See, der hinter einer flachen Kuppe verborgen liegt, wird der Bach gespeist. Nach ein paar Hundert Metern durch hohe Gräser mit viel sehr nassem Moos sind wir angekommen.
Auf einem großen Felsen, der am Ufer liegt, breiten wir unsere verbliebenen Vorräte aus, essen und genießen das Schauspiel um uns herum: Die Sonne, die sich im See spiegelt, die entfernt rauschenden Wasserfälle. Ab und zu fliegt ein Vogel auf, Insekten und Schmetterlinge künden vom nahenden Sommer.
Zum Schluß der Wegweiser: Aus Glengarriff fahrt Ihr in Richtung Castletownbere, dann die erste Straße rechts (ein großes Wohngebäude mit auffälligen länglichen Fenstern steht an der Abbiegung, die nach scharf rechts erfolgt). Danach immer der Straße folgend, bis sie sich gabelt - links führt der offizielle Wanderweg den Ring of Kerry entlang, wir folgen der Sraße rechts. Parken kann man gut am Nordufer des Sees auf der Wiese (Vorsicht, wenn es zu nass war - aber das ist sowieso ein Zeichen für schlechte Wanderbedingungen oben im offenen Gelände). Zu Fuß die Straße weiter, am Café vorbei (wo man mit Tipps gerne aushilft), dann zu einem Gatter auf der rechten Seite, hinter dem ein Geröllweg zu einem weiteren Gatter führt. Hinter dem zweiten Gatter links halten, unter den Rhododendron-Büschen hindurch. Der Weg sieht zeitweise aus wie ein Bachbett, was er wohl auch ist. An einigen Stellen muß man ein wenig aufpassen und/oder höhere Absätze überwinden. Dann folgt eine Weile der oben erwähnte angelegte (breitere) Pfad, bis zur ehemaligen Siedlung, und - etwas schmaler - darüber hinaus, bis man sich in der offenen Landschaft oberhalb der Baumgrenze selbst einen Weg sucht.
Viel Freude beim Erkunden dieser herrlichen Gegend!

Sonntag, 1. Mai 2016

"Jazz is not dead - it just smells funny!"

ein Post von Jens

Fotos von Fiona Walsh und Sigrid Berndt


Dieses Zitat von Frank Zappa wollte ich schon immer einmal irgendwo unterbringen..."Jazz is not dead - it just smells funny." Und zu welchem Anlass passt es besser als zu dem des Ballydehob Jazz Festival an diesem Wochenende? Insbesondere dann, wenn ein New Orleans style Funeral March eines der Highlights sein wird. - Doch keine Sorge: In dem Sarg liegt keine (übel riechende) Leiche; er wird leer durch die Straßen getragen!




















Schwer genug ist der Sarg auch ohne Inhalt. - Noch schwerer jedoch ist die Catrina, die ich auf dem March auf meinen Schultern trage.  "Catrina" bezeichnet eine Figur, die in Mexico traditionell am "Tag der Toten" durch die festlichen Straßen getragen wird. https://de.wikipedia.org/wiki/La_Catrina
Mit Hilfe eines auf sein Gestell reduzierten Reise-Rucksack trage ich ein Maschendrahtgerüst, auf das Stoff appliziert wurde. Auf einem oberhalb des Gerüstes herausstehenden Stock ruht der frei bewegliche Kopf. Dieser wurde auf einen Plastikkanister modelliert. Obwohl die einzelnen Materialen in Leichtbauweise konzipiert und ausgearbeitet wurden, ist das Ganze doch ganz schön schwer!
Durch den Stoff, den Dink hier gerade richtet, kann ich hindurch gucken.
An den Schultern der Katarina hängen ihre Arme, die durch Stangen und Fäden, die an den Gelenken befestigt sind, von Puppenspielern bedient werden. Mit den Bewegungen der Arme muss ich mich im Körper der Puppe dann ebenfalls bewegen, damit es später auch echt wirkt.
Unterhalb des Bauchteils der Puppe hängen wie ein Korsett vier Plastikringe, an denen schließlich der Rock befestigt ist.

Noch in den letzten Tagen vor dem Wochenende arbeitet eine Gruppe von Ehrenamtlichen fieberhaft an der Fertigstellung aller Einzelteile. Hinter der Catrina wird ein ebenfalls riesiger Fächer getragen werden, dessen Gerüst hier probegetragen wird,...
 ...und neben vielem Anderen möchten sogar Hinweisschilder für öffentliche Toiletten noch vorbereitet werden.
Wie üblich ist vieles erst am Tag der ersten Aufführung fertig geworden. Hier ein paar Fotos sowie ein Video vom March:
Die Puppetteers wirken gelassen - auf die Dauer werden aber auch die Stangen schwer.
Tessa
Louisa
Im Zentrum von Ballydehob
Catrina kann den Anwohnern fast in die Schlafzimmer gucken...
Natürlich sind auch die Jüngeren wieder einbezogen.
Und dann noch drei Fotos vom Sonntag:



 
Neben dem Funeral March ist auch das sonstige Programm nicht zu verachten. Auf http://www.ballydehobjazzfestival.org/ könnt Ihr nachgucken, wer dieses Jahr alles dabei ist. 
So - und jetzt gehen wir wieder hineinschnuppern... Jazz in Ballydehob just smells funny. - And fabulous!

Sonntag, 3. April 2016

St. Patrick's Day


An und für sich wollten wir diesem bedeutensten irischen Feiertag einmal entfliehen. Und so beruhigte uns die Aussage eines befreundeten kanadischen Hotelangestellten in Glengarriff, nördlich von Bantry seien wir "safe". (Im Bild unten ist er in der hellbraunen Jacke zu sehen.) Wir hatten uns vorgenommen, "a day out and about" wäre genau das Richtige. Ansonsten hätten wir uns zwischen Ballydehob und Schull zerreissen können: In Ballydehob hätten wir (wie letztes Jahr bereits) als "Bang on!"-Drumming-Group teilnehmen können, Jens in Schull verkleidet in seiner aktuellen Theatergarderobe als Zauberer...
Das ist nicht Jens!
Die Beteiligung von Ausländern an dieser so irischen Angelegenheit ist nichts Aussergewöhnliches; ganz im Gegenteil: Viele unserer "Blow-in"-Freunde und ihre Kinder nehmen an den Paraden teil. Sie sind in den Vereinen engagiert, in der Feuerwehr, der Wasserrettung, oder eben der Theatergruppe in Schull.
Auf unserer Fahrt entdeckt: St. Patrick himself!
Dieser 17. März 2016 war insofern ein besonderer, dass es der einhundertste Geburtstag des Osteraufstandes in Dublin gewesen ist - aber besonders viel von diesem Datum haben wir hier nicht bemerkt. Wie wir am Tag des heiligen Patrick generell feststellen, dass diese Verweltlichung des sakralen Anlasses angenehm unverkrampft daher kommt. Sicher, ein Geistlicher ist auch jedes Mal dabei, wenn durch die Straßen marschiert... besser: flaniert wird. Aber jedes Mal fragt man sich unsicher: Ist der Mann nicht nur verkleidet wie alle Anderen auch?
Das ist nicht der Geistliche
Auch nationalistisches Gehabe können wir nicht entdecken. Zwar wehen von den Gebäuden die irischen Flaggen, und auch sonst ist vieles in den Farben der Trikolore gehalten - aber der Stoff der Flaggen ist meist zu billig, um allzu oft verwendet werden zu können. Und die Verkleidungen werden generell nur dieses eine Mal verwendet. Ausnahmen bestätigen die Regel, fallen dann aber (nach der zweiten Parade) auch direkt auf. Auf Fotos, die wir von einer Freundin geschickt bekommen haben, sehen wir in Schull das einen oder andere bekannte Kostüm...
Grün ist natürlich die alles dominierende Farbe. Trotzdem ist sie im Verbund mit dem auffälligeren Orange und dem dezenten Weiß wiederum nicht so aggressiv wie es - und hier schweifen wir ab - zum Beispiel die grellen Trikots der Fahrradfahrer sind, die uns auf unserem "day out" begegnen. Überhaupt: Wer immer schon einmal in aller Ruhe den Ring of Beara mit dem Auto erkunden wollte, sollte dieses an einem 17. März tun. Viele Orte wirken wie ausgestorben, die Straßen sind nur noch von ein paar Handwerker-Fahrzeugen befahren (warum eigentlich Handwerker?) - und eben Fahrradfahrern!
Die Shamrocks gehören natürlich auch dazu.
Ein weiteres Merkmal ist mit dem St. Patrick's Day verbunden: Die Orte werden für den Frühling herausgeputzt. Jetzt muss er nur noch kommen, der Frühling! 

P.S. Wir überzeugen uns gerade davon, dass der Frühling in Deutschland Einzug gehalten hat.

Sonntag, 6. März 2016

Die schönen Gesichter des Winters

(ein Post von Jens)


Vielen von uns steht er bestimmt schon an der Oberkante der Unterlippe - der Winter. Aber wenn zwischendurch dann doch einmal die Sonne heraus kommt und der Regen für eine Weile Pause macht, dann gibt es auch im winterlichen Irland fantastische Eindrücke festzuhalten.

Dieses Mal werden wir Euch zu den einzelnen Fotos ein wenig mehr erzählen - wie es zur Aufnahme kam, eine damit verbundene kleine Geschichte oder ob und wie das Foto hinterher bearbeitet wurde. 


Das Loop Head befindet sich im County Clare und bildet die lange Küstennase nördlich der Shannon-Mündung. 
Von See her hängt diese markante Steilküste unvergesslich mit meiner ersten Begegnung mit Delfinen im Nordatlantik zusammen. Von Land her jedoch bietet dieser Landstrich wenig besonderes - wenn man einmal von dem Licht absieht, das an diesem Februartag 2015 Merten und mich dermaßen faszinierte, dass wir einfach auf dieser langen geraden Straße hielten.
In der Nachbearbeitung war mir wichtig, dass Licht und Schatten so zu sehen sind, wie sie uns vor einem Jahr erschienen - ohne den Vordergrund zu dunkel werden zu lassen. Ich habe deshalb die Kontraste etwas heraus genommen und ein wenig mit Licht und Schatten experimentiert.

Zu jedem Bild gibt es eine Geschichte, heißt es manchmal. Zum folgenden gibt es gleich mehrere. Zum einen war dieser Ort eine Zeitlang unsere favorisierte Gegend auf unserer Haussuche - und noch immer fasziniert uns die Aussicht von hier oben. Zum zweiten sieht man auf diesem Bild ein Haus, das bereits auf einem früheren Blog-Eintrag auf einem Foto zu finden ist. Es ist das ehemalige "Mine Captains House", das heißt, es wurde dem Leiter der Cappaghglass Kupfermine gestellt, die damals eine sehr erfolgreiche gewesen ist.
Auch bei diesem Gegenlichtbild habe ich mit Licht und Schatten experimentiert. Das Hauptaugenmerk war für mich, das dramatische Wolkenspiel über den Inseln der Roaring Water Bay einzufangen.

Ähnliches gilt für das folgende Bild vom Caha Pass: sonnenbeschienene Wolken, Inseln mit dem sie in unterschiedlichen Schattierungen umschließenden Meer. Dazu das winterliche Rotgelb der Gräser und Farne, wie es in den mittleren Lagen üblich ist.
Der Caha Pass verbindet die beiden Counties Kerry und Cork und bietet den kürzesten Weg zwischen den größeren Küstenorten Kenmare und Bantry. Wer hier im Frühjahr bis Herbst unterwegs ist, sollte gehörig aufpassen: Neben den üblich langsamen Leihwagen mit Dubliner Kennzeichen sind hier dann vor allem Fahrradfahrer unterwegs, welche die Höhe von 332 Metern als Herausforderung suchen. Bei beiden Kategorien noch beliebter in dieser Gegend ist jedoch das nördlich von Kenmare gelegene Molls Gap. Umsomehr schätzen wir, wenn wir schließlich den Anblick oben sehen, der uns signalisiert: Bald sind wir wieder zuhause.

Zuhause ist nach wie vor hier - an der Rossbrin Cove. Der Name hat mit den hier oft weidenden Pferden keinen Zusammenhang. Er leitet sich ab vom irischen "Ross Broin" und bedeutet soviel wie Broins' Landzunge. Dieser Name wiederum ist nur auf den südwestlichen Teil der Bucht bezogen - große Teile des Buchtufers gehören zum östlich von Rossbrin gelegenen Landgut Cappaghglass.
Wer das Bild wegen der Narzissen dem Frühjahr zuordnen möchte: Hier wachsen die zu Tausenden seit Mitte Februar.
Bis vor kurzem sah es aber oft eher so aus:
Na ja - nicht ganz so dramatisch vielleicht. Aber das Bild hat einfach gereizt, mal einen Effekt einzusetzen. Sieht doch klasse aus, oder?

Tatsächlich sah es eher so aus - wenn das bei dem scharfen Wind mit den Augen überhaupt zu erkennen war; zum Glück tränen einer Kamera dieselben nicht :-) 
Was fast als Schwarz-Weiß-Foto durchgehen könnte, hat lediglich eine sehr hohe Auflösung und etwas Regulierung der Hell/Dunkelanteile bekommen. Ach so: Die Bilder stammen von der Nordküste der Mizen Halbinsel.


Wer in Irland Schnee sehen möchte, wird nicht enttäuscht. Die schneebedeckten Berge in Kerry können wir bei guter Sicht von unseren Hügeln in der Umgebung sehen. Der Schnee auf den Bergen von Connemara im County Mayo hat mich trotzdem überrascht, als ich im letzten Februar mit Merten dort unterwegs war. Das Wetter war bereits so frühlingshaft...
Das Foto wirkt dadurch, dass ich den Sättigungsgrad und die Kontraste erhöht habe; wieder sieht man die typischen Winterfarben Irlands (wie sie bei Sonne vermutlich auch ohne die beschriebene Manipulation herausgebracht hätte). 


Das Farranamagh Lough ist eine wunderschöne Bucht an der Südküste des Sheeps Head. Eine Gegend für Wanderer - und Fotografen. Um die von mir immer wieder gerne genutzten Gegenlicht-Effekte des verschatteten Vordergrunds zu mindern, habe ich an Licht und Schatten gearbeitet und etwas den Sättigungsgrad heraufgesetzt.


Das gleiche gilt für das folgende Foto der Roaring Water Bay mit ihren Bojenfeldern, auf denen Muschelkulturen gezüchtet werden. Die kleinen Inseln im rechten Teil des sonnigen Bereichs heißen Carthy Islands und sind vielleicht der verzaubertste Flecken der ganzen Bucht: Ein kleiner Haufen von Inselchen, die zusammen einen fast perfekten natürlichen Hafen bilden. Weil die Inseln unbewohnt sind, können hier in Ruhe alle Arten von Tieren und Pflanzen gedeihen. Am schönsten ist es, den Robben beim Aufziehen ihrer Jungen zuzusehen...

Ganz anders sieht es am größten Strand der Mizen Halbinsel aus. Die Barley Cove ist eine weitläufige Dünenlandschaft, die ihren Ursprung durch den Tsunami hat, welcher auch das zerstörerische Erdbeben in Lissabon 1755 verursacht hat. Die Strandliebhaber in Irland dagegen haben von dieser Naturkatastrophe profitiert, und die Barley Bucht ist heute ein Biotop mit vielen Vogel- und vor allem Grasarten. Ein Fluß mündet in die Bucht und gibt der Dünenland im Wechselspiel mit Ebbe und Flut immer wieder einen neues Aussehen. Mich interessierte an diesem kalten Februarabend jedoch (wie eigentlich immer) mehr der Blick in die Ferne. Wenn dann noch die Wolken so dramatisch zerfetzt daher kommen, ist es um mich geschehen - dann muss ich das zehntausendste Foto dieser Art schießen. Auch hier musste ich nur ein wenig mit Licht und Schatten herumspielen.

Zum Schluss komme ich noch einmal zurück nach Rossbrin - dort wo alles angefangen hatte. Mit diesem Anblick verbindet sich so vieles unserer Irland-Geschichte: Das Meer, das uns fasziniert. Eine geschützte Bucht, die unserer "moonchild" als Ankerplatz dienen kann. Eine Pier. - Die Pier, die wir von unserem ersten gemieteten Haus aus sehen konnten. Die Mädchen, die an einem kalten April-Abend von hier aus ihr erstes Bad des Jahres nahmen. Die Bucht, von der aus die "Godenwind" zu den vielen Inseln der Roaring Water Bay getragen hat. Die Bucht, an der wir leben...



Sonntag, 7. Februar 2016

Dieses Mal müsst Ihr leider ohne den üblichen Erster-Sonntag-Im-Monat-Post auskommen.

Als kleinen Trost bieten wir Euch diesen Video-Blog eines befreundeten Paares aus der näheren Umgebung an - viel Freude daran wünschen Euch Sigi und Jens.

https://youtu.be/5Z2-FixkXVM


Sonntag, 3. Januar 2016

Winter?


Frohes neues Jahr, Euch Allen!
Wir müssen mal über's Wetter sprechen. - Ihr werdet es gemerkt haben: Es ist zu warm zum Schlittschuhlaufen. Bald heißt es nicht mehr: Die Schlacht mit Beteiligung von Wellington, sondern 'Die Schlacht um Wellington Boots'. Angesichts der Überschwemmungen in Nord-England klingt der Song "Dreaming of a White Christmas" nur noch jämmerlich - egal von wem auch immer interpretiert. Auf facebook kursieren Witze über Rasenmähen und Grillen. Oder sind das gar keine Witze? - Die irischen Medien berichten wenig über Deutschland; östlich von England befindet sich Europa...
Andersherum funktioniert's genau so. Was viele von Euch wahrscheinlich nicht mitbekommen haben werden, schon weil die deutschen Medien Irland nur selten 'auf dem Schirm haben': Auch für irische Verhältnisse ist dieses Wetter nicht mehr normal - tatsächlich vielmehr außergewöhnlich. Die für uns sichtbaren Anzeichen: Um unser Haus herum wachsen in diesem Jahr vermehrt Wasserliebende Pflanzen. An einigen Stellen rutscht die Grassode unter den Füßen weg - kein Halt mehr. Der Frosch war kein seltener Gast.
Mit den Nachbarn haben wir uns schon über mögliche Teichprojekte ausgetauscht. Links von unserer Einfahrt?...
 Oder direkt an ihrer Terrasse?
Starke Stürme drücken das Wasser aus unserem "Teich"  entgegen seiner natürlichen Fließrichtung; läßt der Sturm nach, dann ergießen sich wahre Sturzbäche in unseren Auffahrts-Bereich. Die Kiesel aus der Auffahrt schwemmen auf die mit immer mehr Moos bewachsene Straße. Und aus unseren Fenstern können wir dieses Jahr so viel wie sonst nie Wasser in der Bucht sehen. Unser Nachbar Julian ist es gewohnt, bei Springtiden zu Hochwasser nicht trockenen Fußes vom oder zum Haus zu kommen.
Inzwischen wird aber auch er von Hochwassern überrascht, die gar nicht eingeplant sind. Er stellt sein Auto eben oberhalb der Flutkante ab...
Andere sehen das nicht so locker; die irischen Zeitungen sind um Schlagzeilen wie "Floody Hell" oder "There will be Floods" (man bemerke den Plural!) nicht verlegen. Versicherungen weigern sich seit Jahren, Häuser in bedrohten Straßen von zum Beispiel Bandon zu versichern. Schlimmer hat es in den letzten Wochen Grafschaften nördlich von uns getroffen. Seit Wochen sind große Gebiete um den Fluss Shannon überflutet; am Flughafen Shannon ist in diesem Dezember mit 220 Millimetern doppelt so viel Regen gefallen wie im bisherigen Rekordjahr 2013. An einigen Stationen sind alleine in den letzten 7 Tagen 400% der durchschnittlichen Jahres-Regenmenge gemessen worden (Stand 29.Dezember). Unsere Besuche in Skibbereen stimmen wir seit kurzem auf den Tidenkalender ab!
Etwas überraschend - und im vorletzten Absatz bereits angedeutet - liegt der Fokus des öffentlichen Interesses auf dem Wasser von oben. Niemand hat so recht die immer häufigeren höheren Fluten im Auge. Uns würde interessieren, wie es zur Zeit an der Elbe aussieht; aus unseren Blankeneser und Rissener Jahren ist uns in Erinnerung, dass die extremen Hochwasser und vor allem der Tidenhub in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen sind. Hält dieser Trend an?
Stürme sind im Winter nichts ungewöhnliches - wir Norddeutschen wissen damit umzugehen; aber 7 (!) Stürme in wenigen Wochen sind schon eine Hausnummer. Die damit einher gehenden Hochwasser werden die Bewohner der tiefer liegenden Ortschaften Irlands in den kommenden Jahren vermutlich einkalkulieren müssen. Unser Miets-Haus liegt auf etwa 10 Meter oberhalb des Meeresspiegels. Andere, vor allem in den wilden Jahren des "Celtic Tigers" gebaute Häuser, liegen niedriger. Vermutlich werden die meisten Besitzer dieser (Ferien-)Häuser es finanziell verschmerzen können... Aber so ganz wohl ist einem bei dem Gedanken an zukünftige neue Küstenlinien nicht zumute. Nichts desto trotz sehen wir keinen Grund zur Beunruhigung; wir werden uns einfach daran gewöhnen müssen, dass ein Winter wie dieser an der Tagesordnung sein kann.
In diesem Sinne einmal mehr: Ein  gutes Jahr 2016 uns Allen!
Meersalz auf unseren Fenstern am 30. Dezember