Sonntag, 5. Februar 2017

Baggerfans aufgepasst!

Januarmorgen in Coolcaha
Anfang Januar -  und wir legen so richtig los! Das heißt, wir lassen 
loslegen. Stephen, der Baggerfahrer ist für zwei Wochen unser erster 
bezahlter Arbeiter. Bevor er jedoch seine Greifer ausfährt, fällen wir 
etliche Weiden, die seit Stilllegung der Bauarbeiten vor etwa 7 Jahren 
überall aus dem Boden gesprossen und scheinbar unaufhaltsam in 
ihrer Ausbreitung sind.
Von dort, wo Stephen gerade arbeitet, bis an den rechten Bildrand standen etwa ein Dutzend drei bis fünf Meter hohe Weiden, die wir - nebst diversen weiteren Weiden - zusammen mit Freunden gefällt und zu Kaminholz verarbeitet haben. Die übrig gebliebenen Zweige haben wir an mehreren Nachmittagen verbrannt. Zu Anfang machte das noch Freude, und die Stöße brannten schnell nieder. Später kamen jedoch die Wurzeln der Bäume und jede Menge an Stechginster-Monstren hinzu, die vom Bagger einfach zusammengeschoben wurden; ein echter Viereck-Osterfeuerbauer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
Das kleinste der Feuer
Kaminholz
Nachdem um das Haus herum viel Platz geschaffen war, ging es daran, Gräben auszuheben. Das Haus steht zwar auf einer Anhöhe, doch überall bietet der Fels große Taschen, in denen nach Regenfällen (aber auch durch aufsteigendes Grundwasser) immer wieder Pfützen stehen. Allein die Entwässerungsgräben hierfür erstrecken sich über eine Distanz von 350 Metern, die demnächst mit perforierten Rohren versehen und wieder zugeschüttet werden müssen. Dazu benötigt der irische Hausbesitzer auf dem Lande eine Brauchwasser-Entsorgung, was generell weitere 150 Meter an Gräben sowie den entsprechenden Rohren vorsieht. Dazwischen wird eine Klärgrube mit einem Betontank gesetzt.
Vom Tank ausgehend soll das geklärte Wasser später in der sogenannten Percolation Area versickern. Dieses Areal von etwa 10 mal 20 Metern Grundfläche hat bisher die größte Veränderung auf dem Grundstück bedeutet; wo vorher eine immer nasse Graslandschaft mit vielen Brombeeren und Weiden war, ist jetzt der Boden um bis zu einem halben Meter aufgeschüttet worden - mit Felsenschotter, der rundherum gebrochen wurde. Darauf kommt eine Schicht Kies, damit die darauf platzierten Rohre nicht verletzt werden. Die Rohre sind die auch in Deutschland üblichen braunen Abwasserrohre. Weil die perforierten Rohre sehr teuer sind, versehen wir einige der normalen in Handarbeit alle 7,5 Zentimeter mit drei Löchern. Ein Loch unten - auf der 6-Uhr-Stellung sozusagen, und jeweils ein Loch auf 4 und 8 Uhr.



Danach werden die Rohre mit einer weiteren schützenden Schicht Kies aufgeschüttet, oben herauf kommt eine Plane, die verhindern soll, dass Wurzeln in die tiefer liegenden Schichten eindringen können. Und ganz oben auf kommt Erde und was auch immer wir dort pflanzen oder anlegen.
Um das Haus herum hat sich die Grundstücksansicht inzwischen gewaltig verändert - kein Stein liegt mehr auf dem anderen. Im wahrsten Sinne des Wortes; viel von dem gebrochenem Felsen kommt vom Hang, der vorher sehr dicht an der Nordwestseite des Hauses das Haus zu erdrücken schien. -  In unserem zukünftigen Eingangsbereich möchten wir doch Gäste empfangen!
Hier einmal ein Vorher-Nachher-Eindruck:
Erste Weidenfällung Ende Dezember - im Hintergrund der bewachsene Hügel
Ende Januar: Alles an Ginster ist ausgegraben, der Felsen in Terrassen heruntergebrochen
Ein bißchen weh tun sie schon, all diese drastischen Veränderungen. Aber besonders hier waren sie notwendig. Zum einen bedeuten Stechginsterbüsche eine enorme Brandgefahr, die man besonders dicht am Haus nicht haben möchte. Zum anderen braucht das Haus bzw. seine Bewohner ein wenig Luft zum Atmen, besonders an der oft düsteren Nordseite. Zum Dritten haben wir mit den gewonnenen Metern noch ein paar weitere Dinge vor - doch dazu später einmal.

Unsere nächsten Projektschritte: Thermal-Heizungs-Brunnenbohrung am Hauseingangsbereich sowie in einem Aufwasch die Trinkwasser-Bohrung auf dem jetzigen Parkplatz; danach Aufbau eines großen Lager- und Werkschuppens an selbiger Stelle; Abschluss der Erd/Steinbewegungen; Verlegung von Ab/Wasser/Heizungs-Leitungen und Stromkabeln; Anfang der Umbauten im und um's Haus.
neu gewonnener Platz für einen großen Schuppen

Sonntag, 1. Januar 2017

Coolcaha (gesprochen Kula)...


heißt der Ort, an dem in diesem Jahr unser neues Zuhause entstehen soll. Wer das mal auf der Landkarte suchen möchte, fährt mit dem Finger von Ballydehob zunächst nach Nordwesten, auf der Straße, die in Richtung Dunmanus Bay führt. - Ja, tatsächlich werden wir nicht mehr in unmittelbarer Nähe zum Meer wohnen. Erstens sind alle Grundstücke am Meer meistens dem Wind, aber vor allem ständig der Salzluft sehr ausgesetzt. Und zweitens sind Häuser am Meer einfach teurer; aber damit erzählen wir niemandem etwas Neues.
Also weiter mit der Wegbeschreibung: Wir bleiben nicht lange auf der Durrus oder Church Road, wie sie zunächst heißt. Kurz hinter der St. Matthias Church biegen wir rechts ab, hinunter über den Rathruane River, der meistens eher ein Bach zu nennen ist. Immerhin ist er jedoch zur (kleineren) Hälfte für den Namen "Ballydehob" verantwortlich - den Ort Béal an Dá Chab, an dem die zwei Flüsse ins Meer einmünden. Das Tal das Rathruane Rivers bleibt zunächst auf der linken Seite und bietet ein paar schöne Ausblicke auf die Gegend und den das Bild dominierenden Mount Gabriel im Südwesten. Dann verschwindet die Straße in einem kleinen Wäldchen, vorbei an den Townlands Coolagh Beg Cuailleach Beag und Coolagh More Cuailleach Mór, übersetzt in etwa Kleine und Große Marsch. Nach einem langen geraden Stück erreichen wir Coolcaha Cúl Catha, was ins Englische entweder als "Battle recess"  oder "Hill back" übersetzt wird.
Wir geraten jetzt in eine Landschaft, die durch hügelige Felsen mit dazwischen liegenden Hochmooren, vielen (Weiden-)Büschen und einigen weiteren Bächen gekennzeichnet ist. Und wir sehen die auffallend vielen Windräder; hier wohnen die Ökos! Am Ende der langen Geraden kannst Du einen kurzen Blick auf das Dach unseres Hauses erhaschen - noch ohne Sonnenkollektoren oder Anzeichen eines Windrades in der Nähe. Werden wir eines von beiden oder gar beides einmal haben ? - Wir denken schon, dass es sinnvoll ist, sich zumindest Gedanken darüber zu machen, dass Autarkie möglich sein sollte. Also, warum nicht zumindest das Dach für Kollektoren gleich am Anfang vorbereiten? Und warum nicht eine Betonplatte mit Kabelkanälen für ein Windkraftwerk gießen, wenn wir sowieso gleich am Anfang mit Beton herumhantieren werden. Doch dazu später (bzw. im nächsten Post) mehr.
Wir nähern uns also dem Haus; noch eine 90°-Kurve nach links, und schon kommen wir zur Auffahrt zum Hügel, auf dem das Haus steht - vielleicht sollten wir das Ganze "Coolcaha Heights" nennen - viel höher geht es nämlich in der unmittelbaren Umgebung nicht mehr. Was meint Ihr - passt der Name?
Und schließlich sehen wir den Rohbau, der zunächst nicht viel her macht.
Die Front, die wir hier sehen, ist nach Südosten ausgerichtet und bietet sich (von links nach rechts betrachtet) für Küche, Ess- und Wohnzimmer sowie ein Multifunktionszimmer an, während das Dachgeschoß - bisher durch die vier Veluxfenster nur spärlich mit Tageslicht versorgt - zwei weitere Räume und ein Bad dazwischen bekommen soll.
Blick vom zukünftigen Wohn/Essbereich in die zukünftige Küche

...und nach einer 180°-Drehung das Wohnzimmer
Bevor wir heute weiter in Details gehen, möchten wir eine sehr schöne Anregung eines Freundes aufgreifen: Sehen wir nicht ausschließlich auf das, was noch zu tun ist - und Ihr werdet uns zustimmen: Das ist noch eine ganze Menge - sondern drehen wir uns öfter einmal um, und sehen auf das, was wir bereits erreicht haben bzw. was uns nicht mehr zu nehmen ist; und das tun wir jetzt einmal und belassen es für dieses Monat mit einem der vielen Blicke, die wir zukünftig in die Landschaft hinein haben werden:
Euch allen wünschen wir ein Frohes Neues Jahr!

Sonntag, 4. Dezember 2016

Frohe Weinachten!

Irgendwie endet dieses Jahr verrückt (im Sinne von verdreht): Ein Egomane wird von einem (fast) halben Volk zum Präsidenten gewählt, ein Diktator möchte Europäer werden (oder wenigstens an dessen Fleischtöpfen sitzen), und der Winter kommt schon im November vorbei. Gut - im Unterschied zu manchen Landstrichen in Deutschland hat es in Irland noch nicht geschneit. Aber Minustemperaturen haben wir uns unseren Vogelbädérn ebenfalls bereits beobachten können. Ob es mit ersteren oder (mit den damit verbundenen vielen Sonnenstunden) letzterem zusammenhängt, dass noch keine richtige Adventsstimmung aufkommen mag? - Klar, das Lichterketten-Aufhäng-Geschäft und die seit September zu erstehenden Spekulatius bleiben davon unbeeindruckt. Aber, huch, der erste Advent lief gleichsam unbemerkt an uns vorbei!
Trotzdem freuen wir uns nach dem anstrengenden Umzug an den langen Winterabenden. 
Das einzige Mal, dass wir Hilfe brauchten
Unser neues Zuhause ist gemütlich, und der Blick in den Sternenhimmel ist noch besser als der in Rossbrin. (Der bei Tageslicht zu genießende über den Horizont ohnehin!) Im Kamin knistert ein Feuerchen, Kerzen brennen, und die Fußbodenheizung rundet das wohlige Gefühl ab. Letzte Woche noch mussten wir über uns ergehen lassen, dass während des Umzugkarton-Packens die Handwerker alle Fenster und Türen in unserem vorigen Haus austauschten und das ohnehin Unbequeme noch ungemütlicher gestalteten. Doch jetzt können wir uns erst einmal zurücklehnen und verschnaufen. Bis wir uns dann auf das nächste Projekt konzentrieren...


Zur Zeit besteht eines darin, die Vorbereitungen für unseren Internet-Anschluss zu treffen. Weil wir zur Zeit ohne zurecht kommen müssen, gibt es dieses Mal auch keine Fotos; wir werden in den nächsten Tagen nachträglich welche einfügen ;-) Als wir am Freitag den Techniker unseres Internet-Anbieters zur Neukodierung am Haus hatten (für die nicht länger auf den Mount Gabriel, sondern auf einen anderen Berg gerichtete Antenne (noch etwas "Verdrehtes")), monierte er, dass der von Jens eilig aufgerichtete Pfahl mit der Antenne nicht fest genug stünde und das 30 Meter lange Kabel zum Haus nicht vor Nagetieren sicher sei. Also wieder los - zum Glück nicht wieder ganz bis Clonakilty, wo das Kabel zu beschaffen war; aber immerhin doch bis Skibbereen, um ein Rohr für das Kabel und Zement für den Pfahl zu kaufen. Dann noch ein Abstecher zum Steinbruch, denn vernünftigen Sand zum Anmischen bekommt man dort in kleinen Mengen umsonst. Und schließlich noch zu unserem Lager, um die notwendigen Werkzeuge zusammen zu stellen. Seit gestern steht nun der Pfahl, das Kabel ist Nagersicher verlegt... Jetzt fehlt nur noch der Techniker, um den Router zu programmieren. Und weil Wochenende ist, schreibt Jens diesen Text bei Julian und im Café "Budds", damit Ihr ihn heute lesen könnt.
Nicht viel Platz, aber gemütlich: Unser neues Zuhause

Hoffen wir also alle zusammen auf eine besinnliche, politisch ruhige und friedliche Weihnachtszeit und ein gesundes Neues Jahr!
Ein warmer Dezembertag lädt zum Öffnen der Türen ein

Sonntag, 6. November 2016

Wir ziehen um!


Nein, wir haben noch nicht unsere endgültige Bleibe. - Aber wir sind auf dem Weg dorthin. Halt! Bevor jemand in Jubelstürme ausbricht - noch ist nichts sicher. Und deswegen schreiben wir heute erst einmal über unsere nächste Zwischenstation.
Zwar ziehen wir im Dezember in ein wesentlich kleineres Haus, in dem wir noch nicht einmal unsere Möbel unterbringen können, aber immerhin können wir dann auf dem Weg zum neuen Domizil (Bildmitte) diesen Blick genießen:
Von unserem jetztigen Haus in Rossbrin sind es nur eineinhalb Kilometer bis Cappaghglass, wo wir wohnen werden. Der Hauptgrund für den Umzug: Im Winter ist unser Haus in Rossbrin ungemütlich und teuer zu heizen; Ende des letzten Winters haben wir deshalb beschlossen, nicht noch einen weiteren zu bleiben. Natürlich hatten wir dabei im Kopf, nun endlich unser eigenes Haus zu besitzen. Allerdings haben uns die Wirren um den Brexit dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Immobilienmarkt war die meiste Zeit des Jahres über platt, ausgelaugt. Im Sommer haben wir dann das freundliche Angebot eines Bekannten angenommen, in sein Gästehaus einzuziehen - bis wir unser Traumhaus gefunden haben würden (zur Erinnerung: Das Haus in Rossbrin ist nicht nur zur Miete sondern auch zum Kauf angeboten - wir saßen sozusagen drei Jahre lang auf wackeligen Stühlen). Anstatt weiter mit dieser Unsicherheit zu leben, können wir uns in ein paar Wochen an einer Fußbodenheizung und dichten Fenstern erfreuen - und zahlen nur etwa die Hälfte der bisherigen Miete.
Jetzt sind wir dabei, unser Habe auf verschiedene Orte zu verteilen; in einem nahen Lager stehen bereits die ersten Regale mit Werkzeugen und Baumaterialen. Einen Teil der Möbel lagern wir bei unserem Freund Julian ein, Teppiche und Boots-Matratzen kommen bei Rui und Anke unter. Der Rest wird verschenkt oder verkauft. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was man über die Jahre so alles ansammelt!
Panorama von Süden nach Nordwesten
Panorama von Osten nach Südwesten
Auf den Fotos oben seht Ihr unsere geliebte Bucht von Rossbrin, die also weiterhin nicht weit sein wird. Und von hier aus nutzen wir immer noch das herrlich trockene (sic!) Wetter und segeln mit der Godenwind, die an ihrem Liegeplatz unterhalb der Burgruine schon so manchen Sommersturm schadlos überstanden hat.
 Castle Island vor dem wolkenverhangenen Mount Gabriel
Eines noch: Seitdem wir in Rossbrin wohnen, geht unsere Post an die Adresse 2 Rossbrin, Schull, County Cork. Obwohl wir jetzt umziehen und unser für Cappaghglass zuständiges Post Office das von Ballydehob sein wird, behalten wir die alte Postadresse zunächst bei. Das heißt, ihr könnt Eure Postkarten weiterhin nach Rossbrin schicken.


P.S. Das nächste Mal werden wir Euch erzählen, warum wir jetzt unter die Bäumepflanzer und Heckenpfleger gegangen sind...

Sonntag, 2. Oktober 2016

Später Sommer


Liebe Blog-Gemeinde, habt Ihr uns vermisst? - Entschuldigung, wir waren mal eine Weile weg. 
Einige von Euch haben wir ja in Hamburg gesehen, den Anderen können wir nur sagen: Wir beneideten Euch um den Teil des Septembers, den wir nicht in Deutschland erleben durften. Andererseits: Ist es nicht abartig, dass der September auf dem nordeuropäischen Kontinent mit Temperaturen über 30 Grad aufwartete (und das nicht nur ein oder zwei Tage), der eigentliche Sommer hingegen nicht der Rede wert war? - Für Irland gilt dieses übrigens nicht; wir hatten einen durchschnittlichen Sommer. Heißt: Nutze jede sonnige Stunde - es könnte für Tage die letzte gewesen sein! Klingt schlimm, ist es aber nicht. Erstens gewöhnt man sich daran (wenn man es als Segler nicht ohnehin schon getan hat). Zweitens sind dadurch die sonnigen Momente um so schöner. Und drittens muss man sich keine überflüssigen Sorgen machen: Wir das Trinkwasser ausreichen? Habe ich genügend Sonnencreme aufgetragen und Nachschub dabei? Muss ich meinen Arzt wegen möglicher Kreislaufprobleme befragen? - Alles unnötig. Das wichtigste, woran wir immer denken, ist die Kamera. Und so können wir - mangels frischer Themen - mal wieder einfach ein paar Fotos präsentieren. Viel Freude daran!

Unser kleiner Guerilla-Garden
Anstoßen auf die erste Übernachtung auf der Godenwind - mit Sherry aus einer Muschelschale
Auch die Reiher wissen: Im Fischladen gibt's Fisch.
Margeriten und Fingerhut satt
Seit 3 Jahren unsere Bleibe - nicht jedoch ein richtiges Zuhause.
Besucher des Konzertes von Luka Bloom
Ein perfekter Tag für den Surf-Anfänger
Rounders bei Tim und Sandra: Wird Sigi den Ball treffen?
Der Abendhimmel - fast jedes Mal faszinierend
Nebel überzieht Cape Clear Island.
Was ist denn das für einer?
Kühe im Nebel
Ein ganz normaler Sonnabend auf Schulls' Hauptstraße
Unser neuer Freund - denkt er jedenfalls
Rossbrin Cove - immer wieder einen Besuch wert
Auf See mit der Ette "Rockette"
Abendhimmel Rossbrin - geht es noch dramatischer?
Segeln auf der Long Island Bay

Sonntag, 7. August 2016

Heir Island, Cape Clear, Horse Ridge...


...alles Namen, die wir ganz allmählich in unseren seglerischen Erfahrungsschatz aufnehmen. Um die Insel Heir zum Beispiel sind wir nun schon so oft herum gesegelt, aber erst kürzlich waren wir das erste Mal an Land (wenn Jens von einem Kurzaufenthalt zu einer Regatta im letzten Sommer absieht).
Heir erinnert zum Teil an die dänischen Ostsee-Inseln: Heckenrosen und Kiefern, Sandstrände, Felder und Wiesen. Ein frischer Wind um kleine, freundlich helle Häuser. Wilde Blüten und der Geruch von frischem Seetang.



Auf der Insel gibt es außer Natur nicht viel zu sehen; zwei kleine Kunstgalerien gibt es, einen kleinen Laden an der Sommer-Segel-Schule. Dazu Ferienhäuser, die alte Volksschule und einen Acker, auf dem zu unchristlichsten Zeiten die ungetauften Totgeburten, Frühchen und Babies heimlich verscharrt wurden, die das Pech hatten, vor ihrem unverschuldeten Tod noch keinen (Festland-)Priester zu Gesicht bekommen zu haben. Grausame Sitten an einsamer Stätte.
Einsam ist die Insel nicht; fast in jeder Himmelsrichtung ist entweder eine andere Insel oder das Festland zu sehen. Trotzdem fühlt sich der sensible Besucher ein wenig verloren. Und steht bzw. sitzt er auf den Klippen im Nordwesten der Insel, freut er sich, wenn er nicht ganz allein ist.
Heir Island ist heute die Heimat von etwa 25 Menschen. Es waren einmal 400, die überwiegend vom Fischfang und den damit verbundenen Arbeiten lebten. Gegenwärtig wird kaum noch von der Insel aus gefischt, aber ein Bootsbauer lebt dort vom Bau und den Reparaturen der über die Grenzen West Corks bekannten Heir Island Sloops. Ansonsten kommen Touristen und buchen gerne im nur Mittwochs geöffneten Spezialitäten-Restaurant einen der wenigen begehrten Plätze am Tisch. Die wenigen Tagestouristen kommen und gehen meist unbemerkt...
Anders ist das auf Cape Clear, früher Clear Island genannt. Genauso wie Heir Island ist die Insel zweigeteilt; im Gegensatz zur ersteren ist Cape Clear jedoch sehr hoch, und der Einschnitt ("Waist" genannt) zwischen den beiden Inselhälften bildet neben einem Platz für die kürzeste Straßenverbindung zwischen Nord und Süd die beiden nach den Himmelsrichtung benannten Häfen. Im North Harbour waren wir schon ein paar Mal mit der Jolle, und einmal blieb es beim vergeblichen Versuch. Der Hafen ist unter Segeln nämlich schwer anzulaufen - durch die Verwirbelungen zwischen den hohen Klippen kommt der Wind von überall her, aber nie für längere Zeit aus der selben Richtung.
Beim letzten Mal jedoch haben wir es hinein geschafft und sind über Nacht geblieben. An einem Fischerboot festgemacht, konnten wir den Tidenhub von über drei Metern bequem ohne längere Leinen verschlafen.
Die knapp 20 Quadratkilometer große Cape Clear ist nach dem Aderlass der Famine heute  von immerhin hundert Menschen bewohnt und präsentiert sich als Gaeltacht, was sich schon am Hafen in Form von ausschließlich gälisch-sprachigen Schildern ausdrückt. Allerdings wird auch englisch gesprochen - kein Wunder bei der Menge von Touristen, die zum Beispiel auch das jährlich im August statt findende "Cape Clear Island International Storytelling Festival" besuchen. Die Insel ist der südlichste bewohnte Teil Irlands, und wohl auch deshalb für viele Besucher ein Magnet. Die Gegend um den Hafen herum ist immer sehr belebt, zwei Pubs profitieren davon reichlich - natürlich nur während der Saison. Im Winter kommt es vor, dass keiner der beiden Häfen anzulaufen und die Insel somit von der Außenwelt abgeschnitten ist.
Auf unseren Segeltouren durch die Carbery's Hundred Isles (so heißen die tatsächlich etwa hundert Inseln der Roaring Water sowie Long Island Bay) stehen wir oft vor der Frage, auf welchem Weg wir zurück in die Rossbrin Cove an unseren Liegeplatz kommen: Von Westen, mit Horse Island an Steuerbord? Oder von Osten, was sich insbesondere anbietet, wenn wir aus der Richtung Baltimore kommen. Dann gucken wir in den Tidenkalender, um nachzusehen, ob genug Wasser über dem Horse Ridge steht.
Horse Ridge bei extremen Niedrigwasser
Bei ruhigem Wetter trauen wir uns auch bei niedrigem Wasserstand über die Furt: Dann heben wir vielleicht das Schwert des Bootes an und gucken fasziniert auf den Grund, sehen die langen Fäden der Spaghetti-Algen im Strom stehen und die kabbeligen Wellen an der Stromkante, wo das Wasser aus der Tiefe auf den flachen Rücken trifft. Oder wir ziehen das Schwert durch den Algenwald und merken an den ruckartigen Bewegungen, wie das Boot sich hindurch arbeitet.
Vorige Woche jedoch - auf der Rückfahrt von Cape Clear - haben wir dort einfach einmal den Anker geworfen und für eine Stunde die Szenerie betrachtet. Außer einer Familie, die kurz nach uns dem Zauber des wellenumspülten Strandes erlag, gab es weiteren Besuch:
https://youtu.be/goQ05U6ZF7s
Der Hund am Strand macht uns als erstes aufmerksam; ob er zuerst die Seehunde bemerkt hat oder jene ihn, konnten wir nicht erkennen. Die Aufregung war auf beiden Seiten für einige Sekunden groß.
Nachdem die Tiere das Interesse an einander verloren haben, schwammen die Seehunde ihres Weges an der Godenwind vorbei um die Landzunge herum. Dorthin blickend, sahen wir Bewölkung von Süden aufkommen. Also würde sich das Wetter - wie vorhergesagt - rapide ändern. Wir setzen das Vorsegel, krochen die letzte Meile zu unserer Muringboje und trotteten in der Mittagshitze nach Hause. Und dann kam der Nebel, und der wärmste Sommertag hatte ein plötzliches Ende. Von See her hörten wir jede Minute das Nebelhorn des Fastnet Rocks...
Nebel über Cape Clear