Sonntag, 2. August 2015



Es ist Sommer in West Cork...

... und deswegen heute einfach nur Fotos aus Juni und Juli - viel Vergnügen! 

Jeremy Irons' Schloss vor wolkenverhangenem Mount Gabriel
Sonnenwende...
...am Ufer mit Blick auf Roaring Water Bay
Mittwochs trifft sich Jens mit Freunden zum Pool-Spielen.
Die Gartengruppe diskutiert die Vor- und Nachteile von Hochbeeten.
"Godenwind" verläßt den Hafen von Crookhaven.
Picknick auf Castle Island
Das Meer IST kälter als es auf diesem Foto wirkt.
Die Roaring Water Bucht - immer faszinierend
Unsere erste Erdbeere soll nicht den Vögeln oder Schnecken zum Opfer fallen.
"Godenwind" (Baujahr 1962) nimmt an den Glandore Classics teil...
...und gewinnt diesen Teller als Wanderpreis, der natürlich auf den Kamin gehört. (Scheußlich spießig, nicht wahr?)
Glandore Classics - die große Parade http://glandoreyc.com/classic/index
Zu Besuch in den Garinish Gardens auf der Insel Ilnacullin bei Glengarriff
Kunstausstellungsraum in Skibbereen
Das passt!
Blutiges Weihnachten?
ohne Worte
Was alles so wild im Garten wachsen kann...
Dereenatra Pier mit Castle Island im Hintergrund
"Rolf's" Guesthouses
Rossbrin Castle im Mondschein


Sonntag, 5. Juli 2015

Gärten in West Cork

An diesem herrlichen Sommer-Wochenende waren wir auf der Baltimore-Halbinsel unterwegs, um einige "Secret Gardens" zu besuchen - siehe www.baltimoresecretgardens.com. Von dieser zum Teil einmaligen Gelegenheit, (auch) private Gärten zu besuchen, mussten wir als zukünftige Gartenbesitzer einfach Gebrauch machen, auch wenn so ein Blick (und so ein riesiges Grundstück) wie das der Ballylynch Farm unerschwinglich sind. Seitdem wir auf der Suche nach einer festen Bleibe sind, werfen wir einen besonderen Blick auf die Gartengestaltung. Die zu entdeckenden Stile wie auch die vorgegeben Möglichkeiten können kaum unterschiedlicher sein. Ein für alle interessanten Objekte gleichermaßen in Frage kommendes Konzept kann es gar nicht geben. Bevor wir also ernsthaft anfangen sollten, Pläne zu unserem eigenen Garten zu machen, lassen wir uns zunächst einfach inspirieren. Hier ein paar weitere Beispiele dessen, was wir in den vergangenen Jahren in West Cork vorgefunden haben:

Holzzäune dieser Art sind in West Cork überaus selten zu sehen, das raue Klima setzt ihnen zu. In diesem Fall wollte der Garteneigentümer seiner Sitzecke vermutlich etwas Privatsphäre verschaffen - was eine gut angelegte Hecke mit Sicherheit mindestens genau so gut leisten könnte. Wie auch immer: Dieses Projekt haben wir gar nicht erst angefangen zu überdenken - beim Besichtigungstermin des an und für sich ganz sympatischen Hauses fiel uns ein in der Nähe liegender Steinbruch auf. Der Makler wollte uns weismachen, dass dieser nicht aktiv betrieben würde - ein weiterer Besuch ohne ihn strafte ihn Lügen...

Dieses Haus ist eines derjenigen, dass wir mit unserem "Lieblingsmakler" angesehen haben - von außen! Es war nicht das einzige Mal, dass dieser Makler nicht dafür gesorgt hatte, dass wir Zugang bekommen konnten; meist wusste er nicht, wo der Schlüssel zu finden war...
Das Grundstück hatte uns nicht missfallen, und die Art der Gemüsebeete ebenso wenig - wenn wir uns auch fragten, warum auch hier keine Büsche Sicht- und Windschutz bieten; vermutlich wohnen nicht Besitzer, sondern Mieter im Haus. Warum wir nicht zugeschlagen haben? - Das Haus liegt zu dicht an der Hauptstraße, die dicht südlich der hinter dem Haus zu erkennenen Nadelbäume verläuft.

Dieser wunderschön angelegte Garten liegt für unseren Geschmack etwas zu weit im Hinterland. Die Bandbreite der Pflanzen, welche in West Cork gut gedeihen, wurde uns hier das erste Mal richtig gut vor Augen geführt.
Solch einen gepflasterten Vorgarten möchten wir nicht wirklich haben - aber auch hier wächst und gedeiht es, wie wir immer wieder feststellen können; das immer noch auf dem Markt befindliche Haus ist ganz in der Nähe.
Auf der Halbinsel Inish Beg befindet sich ein öffentlicher Garten mit einigen schönen Anregungen. Okay - die Entengrütze muss nicht sein, und das Pergola-Gitter könnte umrankt auch besser aussehen...   
Diese kleine Idylle ist auf den Umstand zurück zu führen, dass die Eigentümerin nebst den kultivierten auch die wild wachsenden Pflanzen hat wuchern lassen. Obwohl das ganze Grundstück einen ungepflegten Eindruck auf uns machte, waren wir von dem dadurch entstandenen Charme sehr angetan. Es stellt sich halt immer die Frage: Wollen wir der Natur die Chance geben, dem Gärtnern den Weg zu weisen?
Schiefer prägt in West Cork das vorherrschende geologische Profil und ist an vielen Orten deutlich sichtbar. Viele Hausbauer versuchen diesen Umstand zu verbergen und brechen den Schiefer mit schwerem Gerät weg. Der Besitzer dieses Hauses hat sich die Ausgabe dafür gespart und stattdessen die Felsen in seinen Garten integriert. 
An älteren Häusern sieht man oft, wie die Grundmauern direkt an oder auf den Fels gesetzt sind...
Ein schnell wachsender Baum ist etwas sehr begehrtes im Baum-armen Irland. Dieses kleine, von den jetztigen Besitzern vor etwa zehn Jahren selbst gepflanzte, Birken-Ensemble hatte uns auf Anhieb gefallen. Nachahmenswert, wie wir finden!
Dieser verwilderte Efeu-Stamm befindet sich an einer Ruine auf Castle Island. An der seit Jahren unbewohnten Insel fasziniert die Vorstellung, wie sich die Natur alles zurückholt, was einstmals Kulturland gewesen ist. Die Einfriedungen der alten Felder sind noch gerade zu erkennen, die Ruinen zeigen, wieviele Familien wieviele Nachkommen mit wieder eigenen Häusern dicht bei hatten; die Insel ist etwa so groß wie die Düne Helgolands - ansonsten allerdings nicht mit ihr zu vergleichen.
Ähnlich wie Julian selbst hat sein Garten einen sehr speziellen Charakter. Der Garten ist einfach gehalten; kaum Blumen, kein Gemüsebeet, keine Kieswege oder ähnliches. Alles "straight forward" - wie es einem Engländer eigentlich so gar nicht entspricht.
Der Ort "An Sanctoir" (zu deutsch "Die Zuflucht") ist ein besonderer. Anders als die meisten Grundstücke gehört dieses einer Stiftung. Eine Handvoll Leute erstand vor etwa 20 Jahren ein knapp einen Hektar großes Gebiet und widmete es zu einem vorwiegend für esotherische und kulturelle Zwecke dienenden Zentrum um. Dabei wurde das Grundstück zum größten Teil in seinem vorherigen Zustand belassen. Lediglich ein als achteckiges Meditations- und Tagungshaus (in dem Sigi Feldenkrais-Gruppenstunden anbietet) sowie ein kleines Kindergartengebäude wurden errichtet, ansonsten säumt ein gemähter oder sonstwie zugänglich gehaltener Rundweg das Grundstück, auf dem im Sommer ab und zu Veranstaltungen stattfinden. Einige Rasenflächen - wie jenes im Bild oben - werden für Besucher kurz gehalten, und Parties sind dort ohne Probleme auch mit größeren Gruppen möglich. 
Uns fasziniert vor allem die friedvolle Athmosphäre der Landschaft, die trotz gartenbaulicher Veränderungen so naturbelassen wirkt. 
Mit unserer Gartengruppe, der wir seit gut einem halben Jahr angehören, besuchen wir uns einmal im Monat einen besonderen Ort - mal öffentlich, mal privat. Dieses Mal besuchten wir den Garten einer befreundeten Deutschen, die seit 28 Jahren in Irland lebt. Neben einigen anderen faszinierenden Errungenschaften (wie zum Beispiel einem gut 15 Meter großen Eukalyptus-Baum) hat Christa in ihrem Garten diese (etwa 5 Meter hohe) Schiefer-Felswand, die tagsüber die Sonnenwärme speichert, um diese Nachts an das davor liegende Beet abzugeben - ein idealer Platz für Beeren jeder Art.
Einer der ersten öffentlichen Gärten, die wir beide besuchten, ist der von Glebe. Seine gegen die vorherrschenden westlichen Winde geschützte Lage bietet den Besitzern alle Vorteile des irischen Klimas. Neben schnellem Wachstum wird hier vor allem die verlängerte Saison immer wieder deutlich; die Rosen blühen hier des öfteren zwei Mal im Jahr, ob wir das auch irgendwann einmal hinkriegen?...
Der Polytunnel begegnet einem in West Cork in fast jedem Garten. Neben den besser zu steuernden Bewässerungsmöglichkeiten (man beachte das hängende Plastikrohr mit Erdbeerpflanzen!) bietet er vor allem Schutz gegen den größten Feind aller ungeschützten Gärten - den Wind. Und - wie bereits in unserem post über das Arbeiten im Community Garden berichtet - gegen die Schneckenplage. Auf unserer Terrasse kämpfen wir mit anderen Waffen... 
Hier ein Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten von Schiefer, nicht, dass wir vorhaben, unsere zukünftig eigene Terrasse dermassen zuzupflastern, aber das Foto beinhaltet ein paar schöne Ideen für den Hinterkopf...
Wer träumt nicht vom Leben unter Palmen?... Hhm... Wir! - Na klar, ein bißchen Exotik kann es schon 'mal sein. Und diese Palme hätte beinahe uns gehört (dazu vielleicht einmal in einem späteren post). Aber weder Palmen noch Rhododendren sind in Irland heimische Gewächse. Trotzdem sind sie überall anzutreffen. Was in etwa so schön ist, wie einen ebenfalls allgegenwärtigen Stechginsterbusch oder Montbretien (auch keine heimische Pflanze) sein Eigen zu nennen. Aber in den eigenen Garten muss keine dieser Pflanzen - sie kommen irgendwann von selbst. Oder nicht?




Sonntag, 7. Juni 2015

"Percussion" oder "Auf was man so alles einschlagen kann"


Seit einigen Monaten betrachten wir uns als Teil eines besonderen künstlerischen Gesamtkonzepts. Unter verschiedenen Bezeichnungen verbindet uns mit unserem Freund Thomas vor allem eines: Die Lust am Musik-Machen.
Thomas ist ein Tausendsassa. Es fängt damit an, dass vor seinen Augen alles, aber auch wirklich alles von Wert ist. Einerlei ob es das schüchterne "Das kann ich nicht" eines Mitmenschen ist, das er in ein "Ich probiere es einfach mal aus"  zu verwandeln vermag - oder ob es sich um einen weggeworfenen Gegenstand unserer (ja, auch der irischen!) Wohlstandsgesellschaft handelt.
Kommt man bei Thomas zu Besuch, sieht man bereits an der Straße, worauf man sich ungefähr gefasst machen beziehungsweise freuen kann: Hier wird Dein Horizont erweitert! Ausgediente, bemalte Verkehrs-Warnhütchen (offiziell "Leitkegel") säumen den Weg zu Thomas "Nature Trail" in Ballybawn (oder je nach Schreibweise "Ballybane"). Je näher man Thomas' Cottage kommt, desto dichter wird die Ansammlung von skurrillen und originellen Objekten: Allerlei ausgediente technische Geräte finden sich neben unüberschaubaren Mengen von Fendern und Fischerbojen (deren Anziehungskraft auch unsere Sammelwut bereits vor einer Weile entfacht hat). Viele Gegenstände sind mit sinnreichen (oder auch -losen) Sprüchen verziert, neuen Bestimmungen zugedacht oder bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Dazu begegnet dem aufmerksamen Besucher auf Schritt und Tritt Thomas' feinsinniges Spiel mit den beiden sein Leben begleitetenden Sprachen. Poesie muss kein dunkles Dasein in Büchern fristen!
Ein besonderer Teil seines großen Grundstücks ist ein alter Farnwald, der "Magic Forest". Der Wald ist sich weitestgehend selbst überlassen - die Pfade zu verschiedenen, mit Namen wie "Natural High", "Gallery" oder "Sound Space" versehenen Orten, lassen den Besucher sich in einem Urwald fühlen. Die Bäume wachsen hier zwar nicht in den Himmel, aber in den Weg. Umso langsamer man deswegen voran kommt, desto aufmerksamer beachtet man die Details. Und wenn dann noch die Bluebells (zu deutsch "Atlantisches Hasenglöckchen") blühen...
Zu weiteren Informationen zu Thomas' Grundstück verweisen wir gerne auf den Blog von unseren benachbarten Bekannten Finola und Robert http://roaringwaterjournal.com/2015/05/10/magic-forest/ sowie auf Thomas' eigene Webseite http://www.cosmicradio.info/magicforest.html

Was uns beide betrifft, so genießen wir hauptsächlich das gemeinsame Musizieren - wenn man es so nennen mag. Im Grunde genommen ist es das freie Spiel auf zum großen Teil selbst gemachten Instrumenten, deren Thomas mit Sicherheit Hunderte sein eigen nennt. Ein großer Teil davon steht im "Sound Space" des "Magic Forest" zur freien Verfügung - und wir haben dort schon mehrere gemeinsame Sessions gespielt.
im "Sound Space"
Die Instrumente sind sowohl ausgediente und aufgeschnittene Plastik-Fässer - wie sie von den Muschelfarmern in der Roaring Water Bay benutzt werden, als auch Haushaltsgegenstände (vorzugsweise aus der Küche!) wie Pfannen, Töpfe, Thermoskannen, Tabletts, Grillroste oder Vasen (aus Metall natürlich). Auch Stein und Holz können aussergewöhnlich gute Töne hervorbringen - ohne dass sie dafür aufwendig zu Konzertsaal-Musikinstrumenten verarbeitet werden müssen. Das Verständnis für Akustik und Resonanz wächst ohne die übliche Hemmschwelle für eine delikate Stradivari oder das Respekt einflössende Klavier - mit dem Moment, den das ausgediente gedrechselte Stuhlbein braucht, um auf ein weiteres grobes Holzstück zu treffen. Ah ja, das ist ein Kantholz, das auf zwei schmalen weiteren Holzstückchen ruht. Das Prizip des Xylophons! - Ein etwas empfindlicheres Instrument dieser Art hat Thomas aus einem handelsüblichen Plastikrohr, zwei Holzfüßchen von irgendeinem alten Haushaltsgegenstand, ein wenig Kunststoffleine (wie sie ebenfalls oft am Strand zu finden ist), verschieden langen Hartholz-Plättchen und ein wenig Kleber selbst gebaut.

Die gegen Witterung etwas empfindlicheren Instrumente kommen regelmäßig am Montag im HUB-Café zum Einsatz. Hier trifft sich regelmäßig der Drumming-Workshop, aus dem sich für öffentliche Vorführungen in wechselnder Besetzung die Gruppe "Bang On" formiert. Neben "richtigen" Instrumenten wie den unten abgebildeten Congas, Schellen, Glocken oder auch mal einem Banjo, dem irischen Bodhràn und jeder Menge afrikanischer, asiatischer oder südamerikanischer (zumeist Schlag-)Instrumente finden sich auch hier Kreationen aus Thomas' schier unerschöpflicher Kreativität. Eines von Jens' Lieblingen ist das auf den beiden unteren Fotos am unteren Bildrand zu sehende grüne Plastikteil mit unbekannter Herkunft; es sieht ein bißchen aus wie die Schreibtisch-Sammelbehälter aus den siebziger Jahren (damals vorzugsweise in orange zu bekommen), ist aber stabiler und ungeheuer vielseitig in der Anwendung. Jede Seite - mit einem Holzklöppel bearbeitet - klingt anders, die Kanten noch einmal; die Hohlräume lassen sich gewinnbringend akustisch nutzen.


Zum Saint Patricks Day hatte sich in diesem Jahr auch "Bang On" gemeldet. Für das Spielen auf der Straße eignen sich viele Instrumente nicht - sie sind einfach zu leise. Ein paar Montag-Sessions im Voraus sucht sich also Jeder das Passende für sich heraus: Pfannen, Kanister, Fahrradglocken, Schellen, oder eben das grüne Plastikteil unbekannter Herkunft... - Hauptsache es macht ordentlich Krach! 
Schade, dass wir keine Aufnahme von unserem Umzug haben; zwölf Leute aus sechs Nationen mischen Ballydehob auf!
Hier zum Abschluss jedoch ein kurzer Ausschnitt unserer üblichen Montag-Vormittag-Session: https://youtu.be/LBcX6ij1HOs